Petra
Dodell:
Frauenbilder in der spanischen Novellistik des Siglo de Oro
288 Seiten, 25,- , ISBN 3-925867-92-9 (2005)
Band 10 der Reihe "Gender Studies Romanistik"
Was bewegen Frauen, die sich offiziell nicht bewegen dürfen,
in den Novellen eines Cervantes (1613), Lugo (1622), Céspedes
(1623) und einer Zayas (1637/47)? Wie vielschichtig sind in ihren
Geschichten die Frauenbilder, wie verhält sich der zwischen Bild
und Betrachter vermittelnde narrative Rahmen und wie sind die
Bilder in den Räumen der fiktiven Welt positioniert?
Reflektieren sie das von den Traktaten geforderte Ideal oder
durchbrechen sie die Monochromie mit farbiger Originalität?
Ziehen sie die Aufmerksamkeit sofort auf sich oder stehen sie
abseits am Rand? Und warum sind Novellen beim weiblichen Publikum
so beliebt? Weil sie der Frau erlauben, außerordentlich zu sein?
Wie groß ist der Spielraum der Frau wirklich, wenn auch die
Novellen unter dem Auge des Zensors am Ende wieder Ordnung
schaffen und ihr Spielobjekt wegschließen müssen? In den
Frauenbildern spiegelt sich die Aufgeschlossenheit einer
Gesellschaft, sie verraten viel über das herrschende Weltbild.
Nach einem Blick auf zeitgenössische Traktate zur
Mädchenerziehung spürt die Arbeit mit Lotman und Bachtin der
Bewegung und Rede von bzw. über Frauen in Texten aus der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts nach und stellt fest, daß die
untersuchten Novellen Ereignisse inszenieren und mit einer
Sanktion tilgen; die Ereignislosigkeit der Geschichten bleibt
jedoch nicht ohne Resonanz, lediglich die Bereitschaft, dem
Dialog Raum zu geben, differiert bei den einzelnen Autoren. Die
transgressive Qualität der Novelle, die Cervantes reizt, die
Probe aufs Exempel zu machen, mit der Frau in verschiedenen
Räumen zu experimentieren und damit bestehende Fixierungen
aufzuweichen und die Zayas bewußt einsetzt, um den Frauen neue
Räume zu erschließen, wird von den in Cervantes Nachfolge
Schreibenden verspielt. Es entstehen Fließbandnovellen im
Baukastenprinzip, denen nicht mehr daran gelegen ist,
Sicherheiten das Fundament zu entziehen und damit das kritische
Bewußtsein des Lesers zu schärfen, sondern es mit
abenteuerlichen Schauplatzwechseln abzulenken und in einer
trügerischen Sicherheit zu wiegen.
Aus dem Inhalt:
Domestikation des animal perfecto: Die Frau im
historischen Kontext
Lokale Fixierung: Die Frau im Innenraum
Soziale Eliminierung: Vergewaltigungssujets
Raumnahmen
Wortergreifungen
Petra Dodell leistet eine
äußerst anregende und innovative Re-Lektüre der Novellen von
Cervantes, Céspedes, Lugo und Zayas ...
(Susanne Thiemann in Querelles-Net)
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