Marianne
Braig:
Sehnsucht nach
Legitimation
Zum Wandel populistischer Politik in Mexiko
ca. 340 Seiten,
ca. 28,- , ISBN 3-938944-02-1 (erscheint voraussichtlich
Sommer/Herbst 2012)
Band 3 der Reihe "Fragmentierte Moderne in Lateinamerika"
Die Studie von Marianne Braig hält sich
nicht mit der vehementen Zurückweisung, ja
Verteufelung von als populistisch identifizierten Politiken
auf. Populismus als analytische Brille verstanden, erlaubt,
soziale Bewegungen, politische Herrschaftsformen und ihre
Beziehung zueinander zu beschreiben, gesellschaftliche Strukturen
und handelnde Akteure aufeinander zu beziehen und konkrete
Politiken mit policy dealing zusammenzubinden. Damit
werden soziale Grammatik, politische
Kulturtechniken und strukturelle, kontextabhängige
Vorstellungen, Rituale, performative Praxen politischer
Legitimation und politischer Herrschaft in den Blick genommen
ein analytisches Vorhaben, welches hier mit einer in der
Populismusforschung weitgehend vernachlässigten
geschlechtsspezifischen Perspektive verbunden wird.
Am Beispiel des postrevolutionären politischen Systems Mexikos,
dem empirischen Gegenstand ihrer Arbeit, führt die Autorin die
Relektüre unterschiedlicher Lesarten populistischer
Politikformen zu einer Neuinterpretation der Herrschaft des
Partido Revolucionario Institucional zusammen. Überzeugend
argumentiert sie, dass der institutionalisierte
Populismus des PRI-Regimes nicht auf einen statischen
bürokratischen Staatsapparat, sondern vielmehr auf flexiblen
Verhandlungsformen des Staates mit den unterschiedlichen
Bevölkerungsgruppen basierte.
Die Zentralität von Aushandlunsgmodi und die für alle Parteien
und für viele in Mexiko weiterhin bestehende große
Attraktivität dieser Verhandlungskultur zeigt nicht zuletzt der
jüngste Wahlerfolg des PRI bei den Parlamentswahlen im Juni
2009. Ein Erfolg, der zu einem hohen Maße von der hier
untersuchten rituellen Performanz populistischer politischer
Partizipation und deren Legitimation durch die Wählerschaft
ermöglicht wurde.
In diesem Sinne leistet diese Studie nicht nur einen wichtigen
analytisch-theoretischen Beitrag zur Populismusforschung
über den mexikanischen Fall hinaus , sie ist
gerade auch für ein Verständnis der historischen Gewordenheit
und politisch-kulturellen Kontinuität des mexikanischen
Populismus und dessen Überleben im heutigen Mexiko
zentral.
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