Kristin
Naupert:
In Freiheit
erzählen
Literarische Wenden in Spanien und Ostdeutschland
152 Seiten, 14,80 , ISBN
978-3-938944-20-2 (Oktober 2007)
Aus der Reihe "Tranvía Essay"
Die komparatistisch angelegte Arbeit beschäftigt sich mit
einer Reihe ausgewählter Romane und Erzählungen, die in der
schwierigen Zeit des politischen und kulturellen Umbruchs in
Spanien nach 1975 und in Ostdeutschland nach 1989/90 entstanden
sind. Die Neujustierung der gesamten Kultur in den jungen,
unvollkommenen Demokratien konnte die literarischen
Intellektuellen nicht unberührt lassen, deren privilegierte
Stellung als öffentlich wahrnehmbare Referenz nun in Frage
gestellt wird.
Spanische Erzähler versuchen, derart einschneidende Umbrüche an
Romanfiguren festzumachen, die sich in ihrer Privatsphäre
einkapseln und vor jeglichem Handeln als Bürger zurückweichen.
Während hier das konfliktbeladene Umfeld in einer sich drastisch
wandelnden Gesellschaft weitestgehend ausgeblendet bleibt, lassen
die ostdeutschen Erzähler ihre Figuren seltener in erotische
Parallelwelten entfliehen. Die Ernüchterung und die schwer zu
füllende existentielle Leere wird z.B. von Angela Krauß mit
poetischen Bildern voller surrealistischer Traumvorstellungen
erzählt, bei Kerstin Hensel mit krudem Expressionismus. Brussig
oder Schulze wiederum vermeiden apokalyptische Töne und
versuchen, dem Unbegreiflichen mit Humor und Ironie beizukommen,
denn der Umbruch soll als einmalige Chance begriffen werden, die
würdig ist gelebt und erzählt zu werden.
INHALT:
1. Elfenbeinturm oder Barrikade:
Schriftsteller als Intellektuelle und ihre (Nicht-) Beteiligung
an der Suche nach Orientierung in gesellschaftlichen
Übergangsprozessen
2. Übergang versus
Wende:
Zwei Diktaturen auf ihrem Weg zur Demokratie
3. Literarische Wenden:
Posttotalitäre Erzählliteratur in Ostdeutschland und
Spanien
3.1. Überblick über die literaturgeschichtliche
Entwicklung in Spanien und Deutschland vor und nach dem
politischen Umbruch
Der spanische Literaturbetrieb in den siebziger
Jahren
Der deutsche Literaturbetrieb Ende der achtziger, Anfang
der neunziger Jahre
3.2. Die unterschiedlichen Reaktionen der
Autorengenerationen
Die Kriegsgenerationen
Die beiden mittleren Generationen
Die beiden jüngeren Generationen
Sonderfälle: Spätveröffentlicher,
Schubladenausräumer, Exilautoren, Rückkehrer und die von
drüben
3.3. Thematische Schwerpunkte und
formal-erzähltechnische Tendenzen
Der Blick zurück: Literarische Versuche der
privaten Vergangenheitsbewältigung. Identitätsverlust und
Neuorientierung
Blick auf Gegenwart und Zukunft: Die Verarbeitung der
Umbruchserfahrung, Spielarten des Ankommens oder der Bruchlandung
in der ungewohnten Demokratie
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